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Wir bauen neu! Bis voraussichtlich 2022 wird der Waldorfkindergarten in der Neumattschule zu finden sein! Ab 2022 wieder Grüttweg 16!

Waldorfkindergarten Lörrach

Käppelestr. 20

79540 Lörrach

+49 (0)7621 49762

+49 (0)151 54 61 23 92

Hintergründe

Ursprung der Waldorfpädagogik

Die erste Waldorfschule wurde 1919 für die Arbeiterkinder der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria in Stuttgart gegründet. Deren Leiter, Emil Molt, hatte den Philosophen Dr. Rudolf Steiner gebeten, ein pädagogisches Konzept für diese Schule zu entwerfen.

 

Dies war die Geburtsstunde der sogenannten Waldorfpädagogik.

 

Ihre Methodik, also das Wie der Pädagogik, und ihre Didaktik, das Was der pädagogischen Maßnahmen, richten sich vorrangig nach den Gesetzmäßigkeiten kindlicher Entwicklung und sind somit bestrebt, die gesunde körperliche, seelisch-geistige und soziale Entwicklung des Kindes zu fördern.

 

Exkurs in die kleinkindliche Entwicklung

Was heißt das für das Kleinkindalter bis zum Schuleintritt?

 

Die Zeit bis ungefähr zum 7. Lebensjahr ist in der menschlichen Biographie die Zeit der körperlichen Reifung.

 

Geboren wird der kleine Erdenbürger mit allen Anlagen und Organen. Das Ausreifen der Organe, das Vernetzen der Nerven im Gehirn, das Ausbilden der Organrhythmen und deren Zusammenspiel vollziehen sich jedoch erst im Laufe dieser ersten sieben bis max. neun Jahre. In diesem Lebensabschnitt werden daher Weichen für die gesundheitliche Konstitution des ganzen Lebens gestellt und mit dem Ausdifferenzieren des Gehirns wird außerdem der Boden bereitet für späteres Lernen können.

 

Diese Entwicklung des Gehirns vollzieht sich aber nicht vornehmlich – wie häufig angenommen – über schulmäßige Wissensvermittlung, sondern über Bewegung und Sinnestätigkeit (sensomotorische Integration).

 

Die gesunde Körperentwicklung des Kindes im Vorschulalter geht jedoch Hand in Hand mit der seelischen Entwicklung. Beide, Körperbefindlichkeit und seelische Verfassung, sind eng miteinander verknüpft. Der Erzieher wirkt daher über eine heitere, anregende Atmosphäre positiv auf die seelische Gestimmtheit und damit indirekt auf das Körperbefinden des Kindes. Umgekehrt regt der Erzieher über die Sinnespflege und Bewegung das gesunde Körpergefühl des Kindes, das „Sich-Wohl-Fühlen in seiner Haut“ an und kräftigt damit indirekt das seelische Befinden des Kindes: es ist glücklich, hat Selbstvertrauen und ängstigt sich nicht. Dagegen neigen Kinder mit Sinnesdefiziten zu Ängsten.

 

Der Waldorfkindergarten ist ein spielzeugfreier Ort

Diese Besonderheiten kindlicher Entwicklung sind die Vorgaben für den waldorfpädagogischen Ansatz. Aus diesem Grund ist der Waldorfkindergarten seit Jahrzehnten eine Art ganzjähriger, spielzeugfreier Kindergarten: industriegefertigtes Spielzeug, Spielprogramme und Medien wird der Besucher des Kindergartens vergeblich suchen, da sie nicht dem pädagogischen Ansatz genügen, die Kleinkindentwicklung bestmöglich zu unterstützen. Er findet dafür in reichem Maße Naturspielmaterialien vor, wie z.B. Holzständer zum Häuserbau, große Holzbretter für Dächer, Rutschen etc., Filzbänder zum Stabilisieren, große und kleine Tücher für Wände, Schaffelle als Hausteppich usw.

 

Alle angebotenen Naturmaterialien dienen in erster Linie dazu, die Eigenaktivität und Kreativität des Kindes anzuregen.

 

Durch das Tun im freien Spiel, beim Werken an der Werkbank, beim Bauen von Häusern, beim Brötchen backen, beim Filzen mit Kernseife, beim Klettern auf Bäume, beim Spielen in der Schlammpfütze usw. erwirbt sich das Kind Fähigkeiten. Seine Grob- und Feinmotorik und seine Sinnestätigkeit (Tastsinn, Lebenssinn, Bewegungssinn und Gleichgewichtssinn) werden in den unterschiedlichsten Spiel- und Handlungssituationen angesprochen. Es sind gerade diese Körpersinne, die wesentlich zur Gehirnbildung beitragen! Ebenfalls nehmen diese vier Sinne alle Vorgänge wahr, die sich in unserem Körper abspielen. Je differenzierter und je vielfältiger sie in Aktion treten können, umso stärker kann sich im Kind das vertrauensvolle Empfinden einstellen, in seinem Körper zu Hause zu sein, d.h. einerseits eine wachsende Bewegungskontrolle über seinen Körper erlangt zu haben und andererseits das Gefühl von Freiheit vom Körper erleben zu können. Ein Kind kann beispielsweise auf Bäume klettern, balancieren, durchs Unterholz laufen, auf unterschiedliche Art hüpfen usf. und sein Körper steht ihm dabei nicht im Weg.

 

Mit dem Beherrschen der Motorik durch die Körpersinne ist seelisch gleichzeitig das Gefühl des Urvertrauens verbunden. Sind diese Sinne schwach ausgebildet, können leicht Ängste im Kind auftreten.

 

Bei dem Begriff Sinnespflege wird schnell an Auge und Ohr gedacht, doch diese beiden Sinne fördern nicht die die sensomotorische Integration im Gehirn. Im Gegenteilsind Augen und Ohren vieler Kinder „reizüberflutet“. Die Überforderung wird vom Gehirn nicht bewältigt und die Folge ist das zappelige Kind, das gefühlslabile Kind, das unkonzentrierte oder antriebslose Kind und später in der Schule das lerngestörte oder verhaltensauffällige Kind.

 

Das freie Kinderspiel ist der „Ernst“ des Kleinkindlebens

Im freien Spiel mit nicht festgelegten Spielmaterialien eignen sich die Kinder in hohem Maße Lebenskompetenz und soziale Kompetenz an. Ihre Kreativität kann sich ausleben und ihre Phantasie und vorstellenden Denkkräfte treten in Aktion.

 

Mit diesen Spielmaterialien bauen sich die Kinder ihren eigenen, individuellen Spielbereich auf. Mit Holzständern, Tischen, Stühlen, Brettern, Tüchern, Filzbändern, Schaffellen, Kissen…entstehen gemütliche Häuser, Piratenschiffe, Prinzessinnenschlösser, Flugzeuge, Mondraketen…

 

Die naturbelassenen Holzklötze können Brote in der Bäckerei, ein Bügeleisen im Puppenstübchen, ein Hammer in der Autowerkstatt, ein Handy auf dem Weg in den Urlaub sein…

 

Die Kinder helfen sich gegenseitig beim Aufstellen der Ständer, beim Zurechtlegen der Kuscheldecken im Haus, beim Befestigen der Tücher als Hausdach… Sie laden sich gegenseitig in ihre Häuser ein oder achten darauf, dass genügend Sitzplätze im Zug vorhanden sind, damit alle mitfahren können…

Jedes Kind kann bei dieser Art des Spiels seine Fähigkeiten und Ideen einbringen.

 

Erziehen über Vorbild und Nachahmung

So wie ein Muskel sich nur kräftig ausbildet über das Betätigen, so vollzieht sich körperliche Reifung über das Tätig Sein.

 

Der waldorfpädagogische Ansatz holt in seiner Methode die Kinder bei ihrer Bewegungsfreude und Handlungsfreude ab, denn der Erzieher führt die Kinder nicht über Erklärungen in Tätigkeiten oder ins Spiel ein, sondern über sein eigenes, sinnvolles Handeln. Der aktive Erwachsene ist ein spielanregendes Beispiel für das Kind.

 

Rhythmus und Wiederholung

Das Tätig Sein geschieht immer im Rhythmus zwischen Aktivitäts- und Ruhephasen.

 

Rhythmus und Bewegung sind beides Eigenschaften der Lebensprozesse und kurbeln die körperliche Reifung an.

 

Im Waldorfkindergarten wird dieser Erkenntnis Rechnung getragen, indem das ganze Kindergartenleben sich rhythmisch gestaltet.

 

Der Jahreskreislauf mit seinen Jahreszeiten und christlichen Festen wird in Reigenspielen, Sprüchen, Fingerspielen, Liedern, Geschichten und dem Feiern der Feste miterlebt.

 

Im Ablauf der Woche wiederholen sich bestimmte Tätigkeiten an bestimmten Tagen, z.B. montags Brötchen backen, dienstags Aquarellmalen, mittwochs Vorschulkinderarbeiten, donnerstags Eurythmie, freitags Wandertag.

 

Zudem hat jeder Tag seine bestimmte, wöchentlich wiederkehrende Mahlzeit.

 

Über diese rhythmische Wiederkehr erwerben die Kinder eine Zeitorientierung im Raum der Woche. Eine typische Orientierungsfrage ist: „Ist heute Brötchen Back Tag?“ „Ist morgen Eurythmie Tag?“

 

Die rhythmische Aufgliederung des Kindergartenvormittags wechselt zwischen aktiven und ruhigen Phasen.

 

aktive Phase                         ruhige Phase

1. Freispiel drinnen                  2. Morgenkreis

3. Reigenspiel                         4. Frühstück

5. Freispiel draußen                 6. Abschlusskreis

 

Der Rhythmus liegt jedoch auch in den vielen gereimten Erzählungen und Liedern, die als Reigenspiele für drei bis vier Wochen gespielt werden und dann wechseln. Auch die Geschichten, Fingerspiele und Lieder werden über diesen Zeitraum wiederholt.

 

Rhythmus und Wiederholung geben den Kindern eine große Sicherheit und Geborgenheit.

 

Sprachförderung

Die Sprüche, Lieder und Geschichten stellen einen enormen Sprachschatz dar, den sich die Kinder über das Mittsprechen und Mittun im Laufe der Jahre aneignen.

 

Unterstützt wird die Sprachanregung durch die Feinmotorik der Finger, z. B. bei den täglichen Fingerspielen, da das feinmotorische Zentrum im Gehirn neben dem Sprachzentrum liegt und dieses stimuliert.

 

Religiöse Erziehung

Das Achten und Wertschätzen der Natur hat im Waldorfkindergarten einen sehr hohen Stellenwert. Wir sind jeden Tag mit den Kindern draußen, achten auf Pflanzen und Tiere.

 

In den Reigenspielen werden die Jahreszeiten und christlichen Feste kreativ erlebt. Im Advent z.B. spielen die Kinder das Christgeburtsspiel und im Januar das Dreikönigsspiel, und zwar nie als „Theaterspiel“, sondern als mitvollziehendes Erlebnis dessen, was vor 2000 Jahren geschehen ist. Der/Die Erzieher/in spricht, singt und spielt die ganze Handlung der Weihnachtsgeschichte und die Kinder spielen mit. Schon manch kleiner Wirbelwind war ein stiller, besonnener Joseph, eine sorgende Maria oder ein würdevoller Engel.

Vor dem Frühstück wird ein Spruch gesprochen und abschließend gedankt.

 

Jeder Tag klingt mit einem Lied aus.

 

Abschließend kann gesagt werden, dass die Waldorfpädagogik ein ganzheitlicher Ansatz ist, der hier nur in den Grundzügen dargestellt werden kann.

 

Miriam Walther               Mai 2017